Ein Stein aus den Katakomben in Rom ist Teil des neuen Altars in der Hedwigs-Kathedrale in Berlin

Ein roter Stein, einst aus den Petersdom-Katakomben in Rom, wurde von Herrn und Frau Schönfeld gespendet und ist nun ein zentrales Symbol im neuen Altar der Hedwigs-Kathedrale in Berlin, eine Verbindung von Berlin nach Rom und zur Weltkirche.

Redaktion hedwig21.berlin

| 13. Juni 2024

Sie beide, Herr und Frau Schönfeld, haben 1982 die Katakomben unter dem Petersdom auf einer Reise besuchen können. Aus den Katakomben stammt der Stein, den sie beide für den neuen Altar in der Hedwigs-Kathedrale gespendet haben. Wie kam der Stein zu Ihnen?

Winfried Schönfeld: Papst Pius XII. hatte gestattet, Ausgrabungen in den Katakomben unter dem Petersdom durchzuführen, um das vermutete Petrusgrab zu finden. Die Katakomben waren eigentlich geschlossen, weil die Ausgrabungen noch nicht abgeschlossen waren. Einige Theologiestudenten der Gregoriana hatten aber schon die Erlaubnis, Führungen im kleinen Kreis zu gestalten. Die Katakomben waren während unseres Besuchs eine Baustelle mit Geröll, weil die einzelnen Kammern frei gemacht wurden.

Christine Schönfeld: Ich habe mich von der Gruppe abgesetzt und nach einem Stein gesucht. Es lagen auch große Marmorsteine rum. Es war sehr urtümlich. Am Ende des Ganges war ein kleiner Haufen mit Geröll – das Ende der Ausgrabungen. Ich habe einen handgroßen, roten Stein mitgenommen – typisch für Rom. Es war reiner Zufall, dass ich diesen Stein ausgewählt hatte.

Sie haben den Stein mit nach Berlin genommen. Wo lag der Stein in Ihrer Wohnung und haben Sie ihn über die Jahre vergessen?

Winfried Schönfeld: Der Stein lag auf dem Schreibtisch meiner Frau in einem Körbchen. Wir sammeln im Urlaub häufig Steine. In dem Körbchen liegen Steine aus den USA, Israel, der Türkei, Ägypten, Finnland und Polen. Es war zunächst erst einmal nichts Außergewöhnliches.

Christine Schönfeld: Ich habe den Stein nie vergessen, ihn immer wieder angekuckt und in die Hand genommen. Dieser Stein war mir immer wichtig in den vergangenen vierzig Jahren. Es ist einer der wertvollsten Steine, den ich hatte.

Der neue Altar, der die Form einer Halbkugel hat, besteht aus etwa 1000 gespendeten Steinen. Weshalb haben Sie, Herr Schönfeld, bei der Aktion mitgemacht?

Winfried Schönfeld: Ich habe eine ganz besondere Beziehung zur Hedwigs-Kathedrale. Sie ist die Kirche im Bistum, zu der ich am meisten verbunden bin. Nachdem ich als hauptberuflicher Diakon in Ruhestand gegangen bin, hatte ich keine eigene Gemeinde. Darum habe ich mich dann in der Hedwigs-Kathedrale eingebracht, im liturgischen Dienst und in der Gestaltung von Mittagsmeditationen. Für meine Frau und mich war es ganz selbstverständlich, dass wir uns am Aufruf beteiligen, einen Stein für den neuen Altar zu spenden.

Warum haben Sie, Frau Schönfeld, genau diesen Stein ausgewählt und ist es Ihnen leicht gefallen, diesen Stein abzugeben?

Christine Schönfeld: Der Stein gehörte viele Jahre zu unserem Leben und erinnert mich an unsere Reise nach Rom. Ich gebe aber gerne mal wertvolle Dinge weg, wenn ich denke, das ist eine gute Sache. Es war für mich klar, wenn ich einen Stein abgebe, dann diesen Stein. Es war ein schneller Entschluss. Der Stein passt zu dem neuen Altar, weil er die Verbindung nach Rom ist – zum Petersdom und damit zur Urkirche. Unser Stein symbolisiert auch die Verbindung von Berlin nach Rom und damit zur Weltkirche.

Was bedeutet es für Sie, Herr Schönfeld, dass Ihr Stein richtig viele Jahre Teil des neuen Altars in der Kathedrale sein wird?

Winfried Schönfeld: Am 01. November 2023 war die Altarweihe. Mir bedeutet die Altarweihe mehr als der Stein. Ich war im liturgischen Dienst bei der Weihe und habe den Erzbischof, Heiner Koch, unterstützt. Mein Dienst als Diakon ist meine Verbindung zur Kirche und zur Kathedrale.


Hintergrund:

Der Künstler Leo Zogmayer hat den neuen Altar gestaltet. Der Altar hat die Form einer Halbkugel und ist in der Mitte der Kathedrale platziert – unter der Halbkugel der Dachkuppel und über dem Taufbrunnen. Über seinen Entwurf schreibt er wie folgt:

„Der Altar hat die Form einer leicht modifizierten Halbkugel, die komplementär auf die über dem Zentralraum aufgespannte Kuppel antwortet. (…) In der Mitte der Unterkirche, die über eine Treppe vom Vorraum her erschlossen wird, genau unter dem Altar, soll ein großer Taufbrunnen platziert werden. (…) Wie der Altar profitiert auch das Taufbecken von der Verortung an der Mittelachse des Zentralbaus. Die gut ablesbare und förmlich spürbare zentrale Vertikal-Achse ,Taufbecken – Altar – Scheitelfenster der Kuppel‘ macht die neu konzipierte Hedwigskathedrale zu einem Kirchbau raumliturgischer Unverwechselbarkeit.“ 1

Am Altar in der Feier der Eucharistie wird die Präsenz Christi besonders greifbar. Aus dem Gedanken, dass die Gegenwart Jesu Christi in der Eucharistie Manfred Kollig zufolge auf seine Allgegenwart in der Welt verweist, hat sich die Idee entwickelt, dass Menschen aus allen Teilen des Erzbistums Berlins Steine zusammentragen, die ihnen bedeutsam sind. 2 An Fronleichnam 2022 haben Menschen Steine etwa aus der Berliner Mauer, aus der Ukraine und aus Rom mitgebracht. Erzbischof Heiner Koch thematisierte in seiner Predigt zu Fronleichnam die Form des Altars und die Bedeutung der Steine:

„Der Altar unserer Sankt Hedwigs-Kathedrale wird wie eine Schale aussehen, in die wir heute unsere Steine gleichsam hineinlegen: unsere Hoffnungen, unsere Trauer, unser Glück, unser Leid, die Sorgen unserer Gesellschaft, die Friedlosigkeit und die Hoffnung der Welt, die Not der Armen und Entrechteten: In Christus sind und bleiben wir geborgen. Deshalb macht es aber auch einen tiefen Sinn, dass wir am heutigen Tag Steine mitgebracht haben, die in den Altar eingelassen werden und zum Altar verwachsen. Die Steine stehen für unser Leben, für unsere Geschichte, unsere Belastungen, unsere frohen Stunden, unsere Hoffnungen. Viele Menschen, Gemeinschaften und Gemeinden bringen symbolisch in diesen Steinen ihr Leben in den Altar hinein und verbinden es untrennbar mit Christus, unserem Altar seine Liebe und Hingabe.“ 3

 

Die gespendeten Steine wurden in einem Gemisch aus Sand, Kies und Weißzement vermischt und die Masse sodann in eine Negativform gegossen. Erzbischof Heiner Koch weihte am 01. November 2023 den etwa zwei Tonnen schweren Altar inmitten seiner Bischofskirche, die derzeit saniert und umgestaltet wird.


[1] Zogmayer, Leo, Vom Pantheon zur Kathedrale des 21. Jahrhunderts, in Herder Korrespondenz 5 (2015), S. 265-265.
[2] Vgl. Köllig Manfred, Verewigt im runden Tisch, Die Halbkugel als Altar in der Sankt Hedwig-Kathedrale Bd. 7, (SANKT HEDWIG MITTE), Freiburg 2023, S. 24-25.
[3] Auszüge abgedruckt in: Vgl: Köllig Manfred, Verewigt im runden Tisch, Die Halbkugel als Altar in der Sankt Hedwig-Kathedrale Bd. 7, (SANKT HEDWIG MITTE), Freiburg 2023, S. 34-35.
[4] Vgl. Köllig Manfred, Verewigt im runden Tisch, Die Halbkugel als Altar in der Sankt Hedwig-Kathedrale Bd. 7, (SANKT HEDWIG MITTE), Freiburg 2023, S. 62.

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